Worauf es beim Griff ankommt
Du greifst morgens nach dem Lenker deines VanMoof, und die Handfläche bleibt einen Moment kleben — nicht feucht, nicht schmutzig, einfach klebrig, als hätte das Gummi über Nacht einen Film gebildet. Dieses Phänomen kennen viele Besitzer eines S3 oder X3 nach zwei, drei Sommern: Die Griffe altern, werden erst matt, dann schmierig, und irgendwann möchtest du sie am liebsten gar nicht mehr anfassen. Verantwortlich sind meist Weichmacher, die mit der Zeit aus dem Kunststoff wandern — ein bekannter Alterungsprozess, den [Wikipedia im Artikel zu Weichmachern](https://de.wikipedia.org/wiki/Weichmacher) gut erklärt. Sonnenlicht, Handschweiß und Sonnencreme beschleunigen ihn zusätzlich. Bei einem gewöhnlichen Fahrrad wäre das eine Sache von zehn Minuten und zehn Euro: Standardgriffe abziehen, neue aufschieben, fertig. Beim VanMoof S3 und X3 liegt der Fall anders. Die Griffe sind Teil des Bedienkonzepts: Links sitzt die Taste für die elektronische Klingel, rechts die Shifter-Taste für die Schaltung. Ein Universalgriff aus dem Zubehörregal passt schlicht nicht über diese Tasten — oder er verdeckt sie, und du verlierst Funktionen, die das Rad ausmachen. Dazu kommt die Sicherheitsfrage: Ein Griff, der unter der Hand klebt oder sich verdreht, kostet dich im Zweifel Kontrolle — bei einem 25 km/h schnellen E-Bike mit rund 20 Kilogramm Gewicht kein theoretisches Risiko. Und schließlich die Optik: S3 und X3 leben von ihrem reduzierten, matten Design; speckige Griffe zerstören diesen Eindruck zuverlässiger als jeder Kratzer im Rahmen. Die Kategorie stellt damit klare Anforderungen: exakte Passform um die Bedienelemente, ein Gummi, das Nässe und Sommerhitze übersteht, und eine Montage, die ohne Spezialwerkzeug gelingt.
Ein Original für 29,90 Euro
Das Produkt heißt nüchtern Original VanMoof S3 & X3 Lenkergriff und kostet 29,90 Euro — wohlgemerkt pro Stück, nicht pro Paar. Es handelt sich um einen Variantenartikel: Beim Kauf wählst du aus, ob du die linke oder die rechte Seite brauchst, jeweils aus der Fahrerperspektive gesehen. Links ist die Seite mit der Klingel-Taste, rechts die mit der Shifter-Taste für die Gangschaltung. Wichtig ist die Einordnung: Das ist kein Nachbau, sondern das exakte Originalteil, wie es VanMoof selbst auf den Rädern verbaut hat. Zur Erinnerung: [VanMoof](https://de.wikipedia.org/wiki/VanMoof) wurde 2009 in Amsterdam gegründet, brachte 2020 mit dem S3 und dem X3 seine bis dahin erfolgreichsten Modelle auf den Markt und verkaufte insgesamt weltweit sechsstellige Stückzahlen. Das S3 rollt auf 28-Zoll-Rädern, das X3 auf kompakteren 24-Zöllern — die Lenkergriffe sind bei beiden Modellen identisch, was die Ersatzteilsuche angenehm vereinfacht. Nach der Zahlungsunfähigkeit des Herstellers im Sommer 2023 und der Übernahme durch neue Eigentümer ist die Versorgung mit Originalteilen ein eigenes Thema geworden; viele Teile sind schwer zu bekommen. Genau deshalb ist ein originaler Griff für unter 30 Euro eine bemerkenswert unaufgeregte Lösung für ein Problem, das sonst schnell in Bastelei ausartet. Der Verkauf pro Stück hat dabei durchaus Logik: Oft ist nur eine Seite beschädigt — etwa nach einem Umfaller auf die Schaltungsseite —, und dann wäre ein Zwangspaar ärgerlich. Achte beim Bestellen trotzdem genau auf die Variantenauswahl; die Perspektive ist immer die des Fahrers auf dem Sattel, nicht die des Betrachters von vorn. Ich finde: Für ein Rad, das neu rund 2.000 Euro gekostet hat, ist das eine angemessene Größenordnung.
Vorteile im Detail
Der erste Vorteil ist der offensichtlichste: Passgenauigkeit. Der Griff ist exakt für die Bedienarchitektur des S3 und X3 geformt — die Aussparungen sitzen dort, wo Klingel- beziehungsweise Shifter-Taste liegen, nichts drückt, nichts verdeckt eine Funktion. Bei einem Rad, dessen Bedienung fast vollständig über zwei Daumentasten läuft, ist das keine Kleinigkeit, sondern die halbe Miete. Zweitens: das Fahrgefühl. Ein neuer Originalgriff stellt Durchmesser, Gummimischung und Oberflächenstruktur des Auslieferungszustands wieder her. Wer jahrelang auf einem schmierig gewordenen Griff gefahren ist, unterschätzt leicht, wie viel Kontrolle und Komfort ein frisches, griffiges Gummi zurückbringt — gerade bei Regen oder mit verschwitzten Händen. Drittens: der Werterhalt. Gebrauchte S3 und X3 werden weiterhin gehandelt, und klebrige, rissige Griffe sind beim Verkauf ein sichtbarer Minuspunkt, der Interessenten sofort ins Auge fällt. Zwei neue Originalgriffe für zusammen 59,80 Euro können den erzielbaren Preis spürbar stabilisieren — und wirken seriöser als jede Universallösung. Viertens: die Modellabdeckung. Ein Teil passt auf beide Baureihen, egal ob 28-Zoll-S3 oder 24-Zoll-X3, und die Farbgebung fügt sich in das mattschwarze Gesamtbild der Räder ein. Du musst also nicht recherchieren, welche Revision dein Rad hat — S3 oder X3 genügt als Information, dazu die Seite. Das reduziert das Fehlkaufrisiko auf genau eine Entscheidung: links oder rechts. Und ein fünfter Punkt, der leicht übersehen wird: die Haptik der Tasten selbst. Sitzt der Griff exakt, haben Klingel- und Shifter-Taste einen definierten Druckpunkt; ein verrutschter oder aufgequollener Griff macht die Bedienung schwammig. Mit dem Originalteil fühlt sich das Rad auch elektrisch wieder präzise an — ein Detail, das man erst bemerkt, wenn es fehlt.
Grenzen kennen
Ehrlichkeit gehört dazu, also der Reihe nach. Erstens: 29,90 Euro gelten für einen einzelnen Griff. Sind beide Seiten hinüber — was nach identischer Nutzungsdauer der Normalfall ist —, zahlst du 59,80 Euro, und das ist für zwei Gummigriffe objektiv viel Geld. Zweitens: Es ist das Originalteil, mit derselben Gummimischung wie ab Werk. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Alterungsprozess, der deine alten Griffe klebrig gemacht hat, prinzipiell wieder einsetzen kann; UV-Licht und Hautfette lassen sich nicht abbestellen, allenfalls durch Pflege und schattiges Abstellen verzögern. Drittens: die Montage. Der alte Griff muss herunter, ohne die darunterliegende Taste und deren Verkabelung zu beschädigen — mit Geduld, etwas Isopropanol oder Seifenwasser machbar, aber kein Zehn-Sekunden-Job, und eine gedruckte Anleitung liegt nicht bei. Rechne für den kompletten Tausch beider Seiten realistisch mit 30 bis 45 Minuten, wenn du es zum ersten Mal machst — beim zweiten Mal geht es deutlich schneller. Viertens: Die Kompatibilität endet bei S3 und X3. Für ältere S2/X2 oder die neueren S5/A5 ist dieser Griff nicht gedacht, deren Bedienlayout unterscheidet sich. Und fünftens, der größte Punkt: die Ersatzteillage insgesamt. Seit der Krise des Herstellers 2023 ist nicht garantiert, wie lange Originalteile in allen Varianten lieferbar bleiben. Das spricht nicht gegen den Kauf — eher dafür, ihn nicht ewig aufzuschieben —, aber du solltest wissen, dass hier kein Konzern mit jahrzehntelanger Ersatzteilgarantie im Rücken steht, wie man es etwa von großen Systemanbietern wie [Bosch im E-Bike-Bereich](https://www.bosch-ebike.com/de) kennt.
Für welchen Alltag
Stell dir den typischen VanMoof-Alltag vor: zweimal täglich acht Kilometer zur Arbeit, das Rad steht tagsüber am Bahnhof, abends im Hof. Bei dieser Nutzung sind die Griffe die meistberührte Stelle des ganzen Rads — Hunderte Kontakte pro Woche, bei jedem Wetter. Wer so fährt und sein S3 oder X3 noch Jahre behalten will, profitiert am deutlichsten: Für unter 60 Euro fühlt sich der wichtigste Kontaktpunkt wieder an wie am ersten Tag. Auch fürs gute Gefühl ist das etwas: Ein gepflegtes Rad wird erfahrungsgemäß häufiger bewegt als eines, das man ungern anfasst. Ein Fall aus meinem Umfeld illustriert das: ein S3, drei Jahre draußen geparkt, Griffe so klebrig, dass der Besitzer nur noch mit Handschuhen fuhr — im Juli. Nach dem Tausch war das Rad für ihn gefühlt ein anderes; solche Effekte erzielt man selten für so wenig Geld. Zweite Gruppe: Verkäufer. Wer sein VanMoof abgeben möchte, investiert die 29,90 bis 59,80 Euro oft sinnvoll, weil frische Griffe auf Fotos und bei der Besichtigung überproportional wirken. Dritte Gruppe: Wenigfahrer mit Tiefgaragenstellplatz, deren Griffe noch gut sind — ihr könnt diesen Artikel entspannt als Wissensspeicher abheften und erst zuschlagen, wenn es so weit ist, mit dem Hinweis zur unsicheren Teileverfügbarkeit im Hinterkopf. Wer profitiert nicht? Wer sein Rad ohnehin in Zahlung geben will, dem bringt der Tausch wenig. Und wer grundsätzlich mit klebrigen Griffen leben kann, spart sich das Geld — funktional fährt das Rad auch so, es fühlt sich nur unangenehm an.
Einzelkauf oder System
Die Systemfrage stellt sich hier auf zwei Ebenen. Ebene eins: links, rechts oder beide? Da beide Griffe seit demselben Tag denselben Händen und derselben Sonne ausgesetzt sind, altern sie fast immer im Gleichschritt — wer eine klebrige Seite hat, hat die zweite meist sechs Monate später. Mein pragmatischer Rat: einmal 59,80 Euro investieren und beide tauschen, statt zweimal Versand und zweimal Montage. Ebene zwei: das VanMoof-Ökosystem insgesamt. Die Räder mischen Standardkomponenten wie Reifen und Kette, die jede Werkstatt bedienen kann, mit proprietärer Elektronik und Sonderteilen wie eben diesen Griffen. Für Standardtechnik am Fahrrad gibt es einen reichen Ersatzteilmarkt — wie robust und langlebig klassische Nabentechnik sein kann, zeigen etwa der Sturmey-Archer-Nabendynamo HDS12 ([hier im Detail](https://b-ware24.com/magazin/sturmey-archer-hds12-nabendynamo-im-26-zoll-vorderrad/)) oder die 3-Gang-Nabe RS-RK3 ([zum Artikel](https://b-ware24.com/magazin/sturmey-archer-rs-rk3-3-gang-nabe-mit-disc-fuer-130-euro/)), die seit Jahrzehnten nach demselben Prinzip gebaut wird. Auch komplette Laufräder mit Dynamo und Trommelbremse ([mehr dazu hier](https://b-ware24.com/magazin/sturmey-archer-hds12-laufrad-mit-dynamo-und-trommelbremse/)) bekommst du als genormte Teile problemlos. Beim VanMoof-Griff gilt das Gegenteil: Er ist Teil eines geschlossenen Systems, und genau darum führt am Original kaum ein Weg vorbei. Zubehör im engeren Sinn brauchst du nicht — etwas Isopropanol zum Lösen des alten Griffs und ein Tuch genügen, Klebstoff ist nicht nötig. Wer ohnehin am Rad arbeitet, kombiniert den Griffwechsel gut mit einem Pflegetermin: Kette reinigen, Reifendruck prüfen, Schrauben nachziehen — dann steht das Rad in einer halben Stunde komplett frischer da. Ein separates Werkzeugset musst du dafür nicht anschaffen; alles Nötige findet sich in einem normalen Haushalt.
Einschätzung
Am Ende ist dieser Griff ein untypisches Produkt für eine Kaufempfehlung: kein Gadget, keine Innovation, einfach ein Stück Gummi mit exakt platzierten Aussparungen. Und trotzdem ist er eine der sinnvolleren Ausgaben, die du für ein VanMoof S3 oder X3 tätigen kannst. Die Rechnung ist nüchtern: Das Rad hat neu rund 2.000 Euro gekostet, die Griffe sind der Punkt, den du bei jeder Fahrt in der Hand hast, und 29,90 Euro pro Seite sind gemessen daran ein überschaubarer Einsatz mit unmittelbar spürbarem Ergebnis. Dass es sich um das Originalteil handelt, ist hier kein Marketingargument, sondern schlicht die Bedingung dafür, dass Klingel und Schaltung bedienbar bleiben. Die Einschränkungen — Einzelpreis pro Seite, die alterungsbedingt endliche Lebensdauer auch des neuen Gummis, die ungewisse langfristige Teileversorgung — habe ich benannt; sie ändern nichts am Kern, verschieben aber den klugen Kaufzeitpunkt eher nach vorn als nach hinten. Das hätte ich vor ein paar Jahren anders formuliert, als VanMoof noch expandierte und Ersatzteile selbstverständlich schienen. Heute gilt: Wer sein Rad behalten will, sichert sich Verschleißteile, solange es sie gibt. Wenn du unsicher bist, ob deine Griffe schon reif für den Tausch sind, hilft ein einfacher Test: Fahre eine Woche bewusst ohne Handschuhe und achte darauf, ob du dir nach jeder Fahrt die Hände waschen möchtest. Falls ja, ist die Antwort gefunden. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre dieses unscheinbaren Ersatzteils — dass die Lebensdauer eines smarten Rads weniger von seiner Elektronik abhängt als davon, ob es für die einfachen Dinge noch Nachschub gibt.



